“Zu Gunsten des Winterhilfswerks” – Kriegsnagelungen im 3. Reich

Einführung

Die Nationalsozialisten griffen unmittelbar nach der Machtübernahme die erfolgreiche Idee der Nagelungen auf. Zwar war nach – sicher propagandistisch übertreibender – Aussage der Reichsleitung der NSDAP vom 7. Dezember 1933 “die öffentliche Naglung des Wappenschildes der Hitlerjugend in allen Teilen des Reiches zu einem gewaltigen Erfolg geworden” (siehe Zentralblatt für die gesamte Unterrichtsverwaltung in Preußen 1933, S. 319/320), insgesamt jedoch verlief die Spendenaktion offensichtlich bei weitem nicht so erfolgreich wie im Ersten Weltkrieg. Genagelt wurden hauptsächlich Hakenkreuze, Schilder mit Hakenkreuzmotiven und Wappenschilder zu Gunsten des Winterhilfswerks, und zwar in erster Linie durch die Hitlerjugend. Auch die Firma Glasmachers, deren Schilder im Ersten Weltkrieg in den Schulen massenhaft benagelt worden waren, belieferte Hitlerjugend, Schulen und andere Institutionen wieder mit ähnlichen Nagelschilden. Die meisten hatten als Motiv die Hj-Raute (siehe Abbildung 1), aber auch Schilder mit dem Reichsadler waren weit verbreitet (s. Abbildung 2). Von der Hitlerjugend wurden die Schilde in erster Linie bei Strassensammlungen eingesetzt. In der ersten Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft gab es Zeitungsberichten zur Folge vereinzelt Störungen der Nagelaktionen, wie z.B. am 19. November 1933 durch die katholische Jugend in Koeln. (www.museenkoeln.de/ausstellungen/nsd_0404_inhalt.asp?C=103)

Reinfeld Hakenrkeuz GlasmachersAbbildung 1: Nagelschild der Firma Glasmachers
(‘HJ-Schild’, ca. 70cm hoch)

Nagelbrett Stassensammlung Hj

Abbildung 2: Nagelschild der Firma Glasmachers (?)
(‘Reichsadler’, 58cm x 58cm)

Alphabetisches Verzeichnis

BÜNDE
Objekt: “Schild der Hitlerjugend”
Initiator: Realgymnasium
Feierliche Einweihung: 1933
Standort: Realgymnasium
Anmerkungen: Am 4. Januar 1934 wurde die Nagelung des Schildes durch Einschlagen des Schlussnagels beendet.

HAMBURG
Objekt: “Eisernes Kreuz”
Feierliche Einweihung: Maerz 1934
Standort: Moenckebergstrasse
Anmerkungen: Das Kreuz war 5 Meter hoch und drehbar.

HAMBURG-WILHELMSBURG
Objekt: “Schild”
Initiator: Kath. Schule Wilhelmsburg
Feierliche Einweihung: Februar 1934

GLAUCHAU
Objekt: “Wappen des Kreises”
Feierliche Einweihung: Februar 1935

Glauchau Nagelungsurkunde

KOBLENZ
Ort: Schule der Ursulinerinnen
Objekt: ‘Hakenkreuz’ (aus schweren Bohlen)
Beginn der Nagelung: 30.11.1933 (anläßlich einer Sammelaktion des WHV)
Initiator: BDM

MAGDEBURG
Objekt: “Eiserner Roland”
Künstler: Rudolf Bosselt, Professor an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg
Feierliche Einweihung: 15.07.1933
Standort: Zunächst vor dem Rathaus, ab Dezember 1940 im städtischen Bauhof
Anmerkungen: Die 3,75 Meter hohe Holzfigur sollte ursprünglich während des Ersten Weltkriegs zu Gunsten der Hinterbliebenen gefallener Soldaten benagelt werden. Um sie nicht zu zerstören, wurde die Benagelung jedoch nicht durchgeführt. Zunächst stand sie in der Kunstgewerbeschule und anschließend im Kulturhistorischen Museum. Erst im Jahre 1933 wurde sie vor dem Rathaus aufgestellt. Allerdings blieb die Figur dort nur bis zum Dezember 1940 stehen. Um ihn vor Witterungseinflüssen zu schützen, wurde er in den städtischen Bauhof gebracht. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde er im Winter 1945/46 wohl zerhackt und als Brennholz verfeuert.

www.munzel-everling.de

Magdeburg Roland 2

Weitere Bilder sind vorhanden.

MÜNSTER
Objekt: ‘Schild mit Reichsadler’
Beginn der Nagelung: 6. Februar 1941 (Tag der Polizei)
Initiator: Polizei
Muenster Reichsadler

Quelle: Kriegschronik – Münster im Zweiten Weltkrieg

NEUKIRCHEN-VLUYN
Objekt: “Eiserner Klompen”
Initiator: Emil Cherubin aus Vluynbusch
Feierliche Einweihung: 1936/37
Spendensumme: 1760 RM
Anmerkungen: Bei der Benagelungen des “Eisernen Klompen”, eines Holzschuhs in zehnfacher Grösse, handelte es sich um eine Aktion des Landkreises Moers zu Gunsten des Winterhilfswerks. An der Nagelung beteiligten sich u.a. auch Schüler der St. Barbara-Schule.

Ort: WERNIGERODE
Objekt: “Hakenkreuz”
Anmerkung: Der Hinweis auf die Nagelung stammt von einem Zeitzeugen.

Die Aufstellung wird in nächster Zeit ergänzt werden.